Wegen DD-Neuseeland in Irland

Es ist sicher leichter zu Verhandlungen über den Beitritt des „Klub Deutsch-Drahthaar Neuseeland e.V. (Deutsch-Drahthaar New Zealand Incorporated – DDNZ) nach Irland zu fliegen, als nach Neuseeland, vor allem wenn man einen privaten Kurzurlaub dazu nutzen kann. Der 1. Vorsitzende des im September 2008 gegründeten DDNZ, Matthew Deighton, forscht derzeit als neuseeländischer Tierwissenschaftler im Auftrag des irischen Landwirtschaftsministeriums in einer landwirtschaftlichen Forschungsstation im County Cork. Hier im Südwesten Irlands, in der Provinz Munster, in der Nähe des kleinen idyllisch gelegenen Städtchens Fermoy wohnt Matthew mit seiner Frau und seiner zweieinhalb Monate Alten Tochter Amely. Hier in einem der größten zusammenhängenden Weidegebiete für Milchvieh in Europa, forscht Matthew über den Methanausstoß bei Milchkühen. Sein Ziel ist die Untersuchung des Methan-Ausstoßes in Abhängigkeit des Grasfutters im Interesse der Umwelt.

Gemeinsam mit der charmanten Reiseleiterin Petra, die den gesamten Reiseablauf vorbildlich geplant hatte, die uns sicher chauffierte und mit ihrem Abschluss der „University of Cambridge“ im Englischen brillierte, flogen der Schriftleiter der „DD-Blätter“, Jan Schafberg, und der Geschäftsführer des Deutsch-Drahthaar Weltverbandes (DDWV) e.V., Siegfried Desch, zu Besprechungen auf die „grüne Insel“. Der Flug mit der irischen Fluggesellschaft „Air Lingus“ ab Berlin-Schönefeld bis nach Cork war angenehm. Nach der Landung fuhren wir mit einem Leihwagen in unsere Bed & Breakfast –Unterkunft„Virginia House“ nach Fermoy. Fermoy ist ein etwa 2500 Einwohner zählendes Städtchen ohne besondere Attraktionen. Mitten durch läuft der Munster Blackwater – Fluss der besonders gute Angelmöglichkeiten auf Rotauge, Hecht, Plötze und Flussbarsch bietet. Nach dem Kennenlernen der Örtlichkeit, holte uns Matthew am späten Nachmittag ab. Auf der Fahrt zu seinem einsam gelegenen Haus zeigte er uns die landwirtschaftliche Forschungsstation, wo er derzeit seine zahlreichen Versuche durchführt. Herzlich war der Empfang anschließend bei seiner Familie.
Das gemeinsame Abendessen war der Beginn des Gedankenaustausches über den zukünftigen Status des DDNZ im Verhältnis zum deutschen Mutterverein Deutsch-Drahthaar. Der 1.Vorsitzende Matthew Deighton und seine DD-Freunde in Neuseeland haben sich die größtmögliche Übereinstimmung mit der Satzung, der Zuchtordnung, dem FCI-Standard und den deutschen Prüfungen des Jagdgebrauchshundverbandes (JGHV) als Ziel gesetzt. Matthew:“Im Grunde genommen möchten wir eine “ordentliche Gruppe“ innerhalb des deutschen Muttervereins sein!“ Natürlich freuen wir uns in Deutschland, wenn solche Ziele angestrebt werden. Leider lässt das die Vereinbarung zwischen dem DDWV und der F.C.I. das nicht zu. Desch:“Hier gilt das Ein-Platz-Prinzip innerhalb eines Mitgliedslandes. In den Ländern, in denen der kynologische Dachverband (vergleichbar mit dem deutschen VDH) Mitglied in der F.C.I. ist, darf keine „ordentliche Gruppe“ innerhalb des VDD gegründet werden. In diesen Fällen kann man nur Mitglied im DDWV werden.“ Nun könnte man denken, dass wäre eine gute Lösung. Desch:“Diese Lösung ist mit der F.C.I. vereinbart – funktioniert aber in den meisten Fällen weniger gut.“ Mit den kynologischen Dachverbänden der Länder(VDH ausgenommen) treten immer wieder Probleme in der Zusammenarbeit auf.

Hier die Wichtigsten:

  • Mangelhafte Registrierung der Welpen (Zuchtbuch)
  • Ausstellung der Ahnentafeln (dauert häufig länger als 1 Jahr)
  • Nicht-Registrierung von jagdlichen Prüfungen auf der Ahnentafel (VJP,HZP,VGP)
  • Nicht-Anerkennung von jagdlichen Prüfungen (HZP,VGP)
  • Unterschiedliche Auslegung des Standards

Gespräche, die zur Harmonisierung zwischen den örtlichen DD-Vereinigungen und dem kynologischen Dachverband beitragen könnten, werden verweigert oder führen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Desch: “Zukünftig wird jegliche nicht nachvollziehbare oder unkorrekte Handlung der kynologischen Dachverbände unserer Mitgliedsverbände, der F.C.I gemeldet. Was in Deutschland für die Zuchtvereine von Jagdhunden gilt (innerhalb des VDH), muss auch in unseren internationalen Mitgliedsländern umsetzbar sein. Zumal auch der VDD über den VDH Mitglied in der F.C.I. ist. Hier dürfen keine Unterschiede gemacht werden!“. Die weiteren Gespräche behandelten den Export von Hunden nach Neuseeland (Mind. 6 Monate alt, Quarantäne), die Umsetzung der Prüfungen des JGHV in Neuseeland, Tätowieren der Welpen, Registrierung der Welpen, Registrierung der jagdlichen Prüfungen, Ausbildung von Richter für jagdliche Prüfungen, Ausbildung von Zuchtrichtern, Zulassung von deutschen Richtern auf Field-Trials der DD-Vereinigungen im DDWV. Desch: “Zur Lösung dieser zahlreichen Probleme ist zukünftig zunehmend auch der JGHV gefragt. Insbesondere zur Umsetzung der jagdlichen Prüfungen im Ausland (nicht nur in USA und Kanada), der Richterausbildung, der Richterzulassung, der Richterfortbildung und der Durchführung von Ausbildungslehrgängen. Diese Aufgaben können die Zuchtvereine alleine nicht leisten. Auch der JGHV sollte zukünftig seinen Beitrag zur Globalisierung seines auf internationalem Gebietes überaus gefragten Prüfungswesens leisten!“

Sofern absehbar ist, dass es mit dem kynologischen Dachverband in den offenen Fragen kein Einvernehmen gibt, werden wir dem DDNZ empfehlen, vorübergehend eine „assoziierte Gruppe“ im VDD zu werden. Anlässlich der internationalen Hegewald-Zuchtprüfung in Neustadt/Aisch werden weitere Gespräche mit Matthew Deighton über den zukünftigen Status von DDNZ im Verhältnis zum VDD bzw. zum DD-Weltverband (DDWV) geführt werden.

Neben den intensiven fachlichen Gesprächen, lernten Jan und der Berichterstatter natürlich auch die südliche Hälfte der Insel kennen. Dabei profitierten wir von dem detaillierten Wissen unserer Reiseleiterin Petra, die erst im letzten Jahr die gesamte Insel bereist hatte. Irland – die drittgrößte Insel in Europa – prahlt nicht nur mit seinen grünen Weideflächen, sondern auch mit herrlichen Landschaften. Gebirgige Landschaften an den Küsten – der höchste Berg ist 1041 m hoch – weite Ebenen in der Mitte der Insel, die getrennt werden durch den größten Fluss der Insel, den Shannon. Der Waldanteil beträgt derzeit knapp 6 %. Man ist wohl bemüht die Übergänge zwischen den Ebenen und den gebirgigeren Teilen mit Sitkafichte und Eiche aufzuforsten um den Waldanteil weiter zu erhöhen. Auffällig waren die vielen lilablühenden natürlichen Rhododendronbüsche in den Wäldern. Gejagt wird auf Füchse und Dachse, die besonders häufig vorkommen. Weiterhin auf Fasan, Rebhuhn, Waldschnepfe, Enten, Ringeltauben, Hasen und Kaninchen. Dabei setzt man bevorzugt englische Jagdhunde ein. Während unserer Sightseeing-Tour bekamen wir auch Rotwild, Sikawild und Rehwild in Anblick, die vermehrt ihre Einstände in den wald- und deckungsreicheren Nationalparks hatten. Eine bemerkenswerte Besonderheit in Irland: Hier gibt es keine Schlangen.

Wir begannen unsere Reise mit einem Abstecher in die Hauptstadt Irlands. Dublin liegt in einer Niederung an der Ostküste. Kulturell hat sich Dublin in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt und ist nach Berlin die derzeit aufstrebenste Stadt innerhalb der EU. Von Dublin aus fuhren wir entlang der Ostküste Richtung Süden. Die Kristallhauptstadt Europas, Waterford, prahlte mit Ihrem Reichtum und mit ihren überaus gepflegten Badestränden. Großartige Ausblicke und bildhaft schöne Landschaften bescherte uns der Süden. Vegetationsreichtum, kleine Fischerorte und Leuchttürme beeindruckten uns. Einer der Reisehöhepunkte war sicher der sog. „Ring of Kerry“ im Südosten Irlands. Eine Rundreise um die Halbinsel Inveragh. Sandstrände, die sich mit steilen Klippen abwechselnden. Einsame Berglandschaften, die nur auf schmalen Landstraßen durchquert werden konnten. Realität holte uns wieder ein, als wir durch das „Golden Vale“, einem besonders fruchtbaren Landstreifen fuhren, um den Killarny Nationalpark kennen zu lernen. Mehr oder weniger gut erhaltene Burgen und Herrenhäuser, wie Ross Castle, Muckross House, Rock of Cashel und einige andere zeugten von prunkvoller Vergangenheit. Leider war es in der Kürze der Zeit nicht möglich, Kontakte mit Deutsch-Drahthaar-Führern zu knüpfen. Matthew Deighton hat hier seine Hilfe zukünftig angeboten.

Mit einem herzlichen Dankeschön an Petra und an Matthew ging nach einer Woche eine erfolgreiche Reise mit guten Ergebnissen bei den Besprechungen und imposanten Eindrücken der Landschaften und Schlösser zu Ende.
Berichterstatter: Siegfried H. Desch, Geschäftsführer DDWV