Erste Verbandsjugendprüfungen in Bulgarien |
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| Das knapp 8 Millionen Einwohner große Land im Südosten Europas – Mitglied in der EU und der NATO – ist den deutschen Jägern in erster Linie durch die besonders starken Schalenwildtrophäen und Keilerwaffen aus dem Donau-Hügelland im Nordosten Bulgariens bekannt. Wobei die Trophäen aus dem im Süden höher gelegenen Rhodopengebirge denen aus dem Nordosten kaum nachstehen. Die deutschen Touristen zieht es aber in erster Linie an die reizvollen Badeorte entlang der Schwarzmeerküste. Wer kennt nicht den „Goldstrand“ in der Nähe von Varna und den „Sonnenstrand“ bei Burgas. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Hier findet „Erholung pur“ statt. Eine Reisegruppe mit 6 Verbandsrichtern startete auf dem Köln/Bonner Flughafen um die ersten beiden VJP´en der im März dieses Jahres neu gegründeten „assoziierten Gruppe Bulgarien“ im Verein Deutsch-Drahthaar e.V., durchzuführen. Die Prüfungen waren entsprechend den deutschen Regularien beim JGHV und beim VDD angemeldet wurden. Nach der Landung in Sofia, der knapp 1,4 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt und Metropole Bulgariens, wurden wir von den bulgarischen DD-Freunden gegen 23.00 Uhr örtlicher Zeit freundlichst empfangen. Nun begann die Reise in das ca. 220 km entfernte Dimitrovgrad im Südosten Bulgariens, wo die Prüfung stattfinden sollte. | ||||||||||||||||||
| Nach einer kurzen Rast in einem Restaurant in der Nähe der Autobahn, fuhren wir an der etwa 340.000 Einwohner großen Bezirkshauptstadt Plowdiw vorbei. Plowdiw ist die zweitgrößte Stadt Bulgariens und den weltweit jagenden Jägern auch als Ort einer Weltjagdausstellung bekannt. Weiter durch die „Oberthrakische Tiefebene“ erreichten wir gegen 3.00 Uhr morgens das Hotel in Dimitrovgrad. Hier wurden zur Vorbereitung der ersten VJP noch einige Daten in das Computerprogramm – analog der Vorbereitungen einer VJP in Deutschland – eingegeben. Nach nur etwa 3 Stunden Schlaf wurden wir zum Frühstück bereits wieder geweckt. Das gepflegte Drei-Sterne-Hotel „Slaviani“ mit Hochzeits- und Präsidenten-Suiten, besitzt 42 Betten, 1 Tagungsraum mit futuristischem Design und einer Inneneinrichtung aus einer Kombination aus griechischem und europäischem Stil. | ||||||||||||||||||
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| Dieses Hotel zeichnete sich durch hohe Professionalität aus. Das besonders freundliche Service-Personal las den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ab Dieses Hotel war auch gleichzeitig das Suchenlokal der beiden ersten VJP´en in Bulgarien. Die Stadt Dimitrowgrad im Bezirk Chaskowo, im Süden Bulgariens gelegen, etwa 80 km östlich von Plowdiw und ca. 40-50 km von den Grenzen zu Griechenland und der Türkei entfernt, ist eine Industriestadt von ca. 45.000 Einwohner, die erst 1947 als sog. „Planstadt“ nach sozialistischem Muster gegründet wurde. Man kann sie vergleichen mit ihrer deutschen Partnerstadt Eisenhüttenstadt an der Oder im Bundesland Brandenburg. Kulturhistorisch bekannt durch die in der Nähe gelegenen „Tempel der Nymphen“ und durch zahlreiche Mineralquellen in der näheren Umgebung. Nach dem Frühstück begann die erste der beiden VJPen. | ||||||||||||||||||
| Der Prüfungsleiter Franz-Clemens Hoff begrüßte die 8 Führer und Gäste. Während einer offenen Richterbesprechung gemeinsam mit den Führern, erläuterte er die neben den zu prüfenden Fächer, die Erwartungen der Richter und den Prüfungsablauf. Anschließend wurden die 2 Richtergruppen und die dazugehörigen Führer auf die zur Verfügung stehenden PKW verteilt und die Fahrt in die Reviere, die in der Umgebung von Dimitrovgrad lagen, begann. Die Reviere gehören zur „Oberthrakischen Tiefebene“ auch „Mariza-Ebene“ genannt, der größten Tiefebene Bulgariens. Sie ist ca. 180 km lang und ca. 50 km breit und hat im Durchschnitt eine Höhenlage von 168 m üb. NN. Diese Tiefebene wird im Westen und im Süden durch das Rhodopen-Gebirge und im Norden vom Balkan begrenzt. Sie ist geprägt durch eine traditionelle Landwirtschaft. Tabak, Gemüse, Getreide (bes. Weizen) und Baumwolle wird angebaut und Viehzucht betrieben. Die niederwildreichsten Reviere liegen entlang des Flusses „Mariza“. Die „Mariza“ fließt durch Plowdiw und Dimitrovgrad, wo sie zur südlichen Landesgrenze hin abknickt. Sie bildet dort teilweise die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei und mündet später in das Ägäische Meer. Die „Mariza-Ebene“ besitzt flache bis gewellte Strukturen, die mit kleinen Hügeln unterbrochen sind. Die Struktur des Geländes erinnerte mich an die „Magdeburger Börde“ in Sachsen-Anhalt. Den Bodentyp lernten die Richter und Führer sehr schnell kennen. | ||||||||||||||||||
| An den Stiefeln klebte der sehr fruchtbare Oberboden aus Schwarzerde, die einer tiefen Lößdecke aufliegt. Die Böden sind vergleichbar mit denen der deutschen Börde- und Gäulandschaften. Mit einer Höhenlage von ca. 100 m üb. NN bestehen hier sehr gute klimatische Bedingungen für das Niederwild. Das leicht hügelige Prüfungsgelände bestand aus Getreidefeldern mit dazwischen liegenden Gräben, die teilweise mit Schilf und Rohrkolben bewachsen waren. Böschungen mit abgebranntem Gras, wo sich bereits wieder dünne, in hellem grün schimmernde Grashalme breit gemacht hatten. Im obersten Bereich der Hügel erschwerten Dornensträucher, Spitzkletten (Xanthium) und Disteln (Carduoideae) die Begehbarkeit. An den Wegerändern und Brachflächen begegnete man der „Wilden Karde“ (Dipsacus fullunon), dem „Beifuss“ (Artemisa vulgaris), der „Nachtkerze“ (Oenothera biennis), der „Wegwarte“ (Cichorium intypus) und der „Wilden Hirse“ (Sorghum bicolor). Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass hier der intensive Herbizideinsatz noch nicht die Vielfalt der Pflanzenwelt reduziert hat. | ||||||||||||||||||
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Da 6 Deutsch-Drahthaar aus dem Zwinger „vom Fuchsberg“ an beiden Prüfungen teilnahmen, wurden die beiden Richtergruppen so eingeteilt, dass der Prüfungsleiter und die Züchterin jeweils keinen Hund aus diesem Zwinger zu richten hatten. In der einen Gruppe richteten der erfahrene Prüfungsleiter und Verbandsrichter aus Hamm, Helmut Nordhaus. Werner Rüter aus Werl, neben seiner Funktion als Verbandsrichter im JGHV, auch als Züchter, Führer und Abrichter von Jagdterriern bekannt und die quirlige und immer für gute Laune sorgende Jutta Fritsche, Zahntechnikermeisterin aus Marienmünster. In der zweiten Gruppe richteten, die charmante Züchterin derer „vom Fuchsberg“, der auch als Prüfungsleiter agierende und immer emsige Franz-Clemens Hoff und der Berichterstatter. |
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Die beiden Prüfungstage wurden durch die örtliche Presse, durch die Jagdpresse und durch das regionale Fernsehen mit Foto- und Filmaufnahmen der Prüflinge und Interviews mit den Vorstandsmitgliedern der „Assoziierten Gruppe Bulgarien im VDD e.V.“, mit dem Prüfungsleiter Franz-Clemens Hoff und der Züchterin des Zwingers „vom Fuchsberg“ begleitetet. Der Ablauf an beiden Prüfungstagen war identisch mit den Verbandsjugendprüfungen in Deutschland. Die Waffe wurden während der gesamten Prüfungsdauer durch den Führer getragen. Am ersten Prüfungstag regnete es anhaltend. Das Finden von Hasen ließ zu wünschen übrig. Das Getreide war bereits sehr hoch. Es dauerte bis spät nachmittags, bis man für jeden Hund genügend Hasen gefunden hatte, damit sich die Richtergruppe ein abschließendes Urteil über die entsprechende Veranlagung bilden konnte. Die Feldreviere waren sehr gut mit Wachteln besetzt, so dass es zahlreiche Gelegenheiten gab, bei denen die Hunde ihre überragenden Vorsteheigenschaften präsentieren konnten. Das Festmachen des Wildes mit ihren feinen Nasen, das Nachziehen und das sichere Vorstehen beherrschten fast alle geprüften Hunde an beiden Tagen in Vollendung. |
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| Es waren Bilder, die die Liebhaber von hervorragenden Feldhundmanieren begeisterten. Die Suche war beim ersten Durchgang eher als etwas kurz zu beurteilen. Durch die immer Rat gebenden Richter, ließen die Führer ihren Hunden immer mehr Raum, so dass sie auch bis nachmittags nach mehreren Suchendurchgängen ihre hohen Veranlagungen in diesem Fach zeigen konnten. Bei den Arbeiten auf den Hasenspuren entstand zu Beginn der Eindruck, den Hunden mangelt es an dem notwendigen Spurwillen. Doch hier täuschten sich die Richter. Die Hunde suchten äußerst konzentriert die Spur. Tüftelten sich in eher langsamer Manier immer weiter vor und zeigten dann Hasenspuren, die geprägt waren von Spurwille, Konzentration und Spursicherheit – auch bei wechselndem Bewuchs und bei der Ausarbeitung von Haken. Die Hasenspuren waren auf Grund der günstigen Geländeeigenschaften meistens sehr weit einsehbar. Prüfungssieger bei der ersten VJP wurde mit 79 Punkten die braune DD-Hündin „Glori vom Fuchsberg“, Zb.-Nr. 206828 mit ihrem Führer Nikolay Hristov Nedelchev.Am zweiten Tag fuhr man wieder an kleinen Wäldern mit Eichen (Quercus) und Robinien (Robinia pseudoacacia) vorbei. Esel- und Pferdegespanne bereicherten die Bilder entlang den Straßen und in den Dörfern. Alte Friedhöfe, deren Gräber nie abgeräumt werden, säumten die Landschaft. Sie werden von Schafen und Ziegen beweidet. | ||||||||||||||||||
| Am zweiten Tag herrschte ideales Suchenwetter. Es wehte ein angenehmer Wind, der die Suchengänge und das Finden von Wild erleichterte. Die im Laufe des Tages nachlassende starke Bodenfeuchtigkeit des Vortages, ermöglichte den Hunden ihre sehr guten Veranlagungen in allen Fächern den Richtern, ihren Führen und den zahlreichen Gästen zu präsentieren. Es bleibt dennoch festzuhalten, dass die VJP´en wegen des bereits sehr hohen Bewuchses, zukünftig zwischen Ende März und spätestens Mitte April durchgeführt werden sollten. Prüfungssieger bei der zweiten VJP mit 75 Punkten wurde die Braunschimmel-Hündin Hella vom Fuchsberg“, Zb.-Nr. 207171. Der Führer war wie bei der ersten VJP am Vortag Nikolay Hristov Nedelev. Als Spezialzuchtrichter beurteilte der Berichterstatter die DD im Interesse der Führer auch im Formwert. Bedauerlicherweise mangelte es bei den meisten der vorgestellten Hunde an der Pflege. Stumpfe Behaarung mit schwacher Pigmentierung und eher „magere“ Hunde mit teilweise Liegeschwielen, erschwerten die Beurteilung– trotz aller Rücksichtnahme auf die Jugendlichkeit – nicht unwesentlich. Zwei DD konnten mit sg/sg, zwei mit sg/g, drei mit g/sg, einer mit g/g und zwei mit gen/sg beurteilt werden. Zwei DD stellten sich keiner Beurteilung und zwei der geprüften Hunde waren DK. Zahnfehler waren bei keinem der Hunde festzustellen. Alle Hunde waren schussfest und zeigten sich im Wesen sicher. Zu Beginn des Folklore-Abend begrüßte der Prüfungsleiter noch einmal die Gäste und bedankte sich bei der „Assoziierten Gruppe Bulgarien im VDD e.V.“ für die perfekte Organisation und die Großzügigkeit der Unterbringung und der Verpflegung“. Der Berichterstatter wies bei seiner Rede insbesondere darauf hin, dass neben der Leistung und des Wesens, auch auf den Typ besonderen Wert gelegt werden muss. Den richtigen Typ zu züchten, dient der hohen Leistungsfähigkeit und der Gesunderhaltung der Rasse. Darauf müssen die Züchter zukünftig besonders achten. Weiterhin ist es wichtig der Zucht eine breite Basis zu geben. Besonders verdient gemacht in über 25 Jahren, hat sich auch der in Deutschland bekannte Züchter Ottokar Raacke (Zwinger „v. Wächtersbach“). Durch den Export von vielen hervorragenden Welpen und die Durchführung von zahlreichen Abrichtungslehrgängen, hat er sich hohe Verdienste erworben. Weitere bekannte deutsche Zwinger, die die bulgarische DD-Zucht beeinflusst haben und beeinflussen, sind „vom Fuchsberg“, Züchterin Eva-Maria Hoff und „ vom Donaueck“, Züchter Max Steinberger. | ||||||||||||||||||
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Zum Abschluss noch einige interessante Begebenheiten über den „Heimatabend“, der allen Teilnehmern der beiden Prüfungstagen geboten wurde. Ähnlich wie anlässlich der Hegewald-Zuchtprüfung und der Zuchtrüdenvorstellung in Deutschland, hatten die örtlichen Veranstalter keine Kosten und Mühen gescheut, ihre Folklore zu präsentieren. Neben einer „Band“ und zwei charmanten und attraktiven Sängerinnen, beteiligten sich auch die Herren des Vorstandes, besonders der Zuchtwart Toncho Milev und der stellvertretende Vorsitzende Sacho Danchev Raychev und Todor Gichev, ein drahtiger und überaus beweglicher Führer und Tänzer. Der 2. Vorsitzende begeisterte das Publikum mit seinen Gesangeskünsten. Gemeinsam mit einer Sängerin, manchmal auch als Solist begeisterte er das Publikum mit bulgarischen Volksliedern, unter anderem „Mädchen Irina“ und viele andere Volksweisen. Den „Choro“ – ein typischer altbulgarischer Volkstanz, den man in der Gruppe und im Kreis tanzt, versetzte die Teilnehmer fast in Trance. Toncho tanzte den „Choro“ auch als Solist. Dabei jonglierte er ein volles Glas auf seinem Kopf. Tanzend legte er sich mit diesem Glas auf den Boden und stand mit intensiven Tanzbewegungen wieder auf. Als er wieder senkrecht stand, warfen er und seine Kollegen, die ihn während seiner Solo-Vorführung tanzend begleitet hatten und ebenfalls gefüllte Gläser auf dem Kopf jonglierten, alle ihre Gläser auf die Bühne. Dieser besondere „Choro“, der zu Hochzeiten getanzt wird, besagt, dass das Brautpaar so viele Kinder kriegt, wie Scherben auf dem Boden liegen. Wir deutsche konnten bis auf eine Ausnahme, den extrem schnellen Bewegungen mit den Beinen nicht folgen. Aber unsere spritzige und sich als besonders geeignete Tänzerin sich präsentierende Mitrichterin Jutta, war den bulgarischen Tänzern ebenbürtig. Gemeinsam mit Ivan Ganchev tanzte sie sich leichtbeinig wie eine Feder in einen Rausch. Nach dem „Choro“ tanzte Ivan als John Travolta und Jutta als „Olivia Newton-John“ zu Songs aus dem Tanzfilm „Grease“ und als „Karen Lynn Gorney“ („Saturday Night Fever“) über die Bühne. Die Realität kam erst langsam zurück, nachdem die Beiden zum Abschluss zu dem unvergessenen Song aus dem Film „Dirty Dancing“ - „ The time of my life“ – Patrick Swayze und Jennifer Grey nachahmten. Sie waren den bekannten Schauspielern nicht nur ebenbürtig, sie waren an diesem Abend besser. Ein unvergessliches Erlebnis für aller Teilnehmer und Gäste der beiden Prüfungen. Lang anhaltender Beifall und mehrere Zugaben rundeten das Bild des Folklore-Abends ab. Die Führer, der Prüfungsleiter, wie auch die Richter und die anwesenden Züchter waren mit den Ergebnissen der beiden Prüfungen rundum zufrieden. Für alles was den deutschen Teilnehmern der Prüfung geboten wurde, sagen wir den bulgarischen DD-Freunden ein herzliches Dankeschön. Einen ganz besonderen Dank gebührt der liebevollen und ohne Pause Tag und Nacht übersetzenden Sylvia und dem deutsch sprechenden Geschäftsführer Georgi Klimentov Dyulgerski. Wir wünschen den bulgarischen DD-Freunden Durchhaltewillen und viel Freude mit Ihren Deutsch-Drahthaar bei der Jagdausübung. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen bei der Hegewald-Zuchtprüfung in Neustadt/Aisch . |
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| Berichterstatter: Siegfried H. Desch, Verbandsrichter u. Spezialzuchtrichter | ||||||||||||||||||